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Die Prinzipien des Öko-Landbaus

Einleitung

Diese Prinzipien sind der Boden, aus dem heraus die ökologische Landwirtschaft wächst und sich entwickelt. Sie stellen den Beitrag dar, den die ökologische Landwirtschaft für die Welt leisten kann, und eine Vision davon, wie die gesamte Landwirtschaft im globalen Kontext verbessert werden kann.

Landwirtschaft ist eine der grundlegendsten Aktivitäten der Menschheit, weil alle Menschen sich täglich ernähren müssen. Geschichte, Kultur und gesellschaftliche Werte sind in der Landwirtschaft lebendig.

Die Prinzipien des Öko-Landbau der IFOAM sind in einem sehr weiten Sinne formuliert und schließen die Art und Weise ein, wie die Menschen Böden, Wasser, Pflanzen und Tiere behandeln, um Nahrung und andere Waren zu produzieren, zu verarbeiten und zu handeln. Sie betreffen die Art und Weise, wie die Menschen mit lebendigen Landschaften umgehen, sich zueinander verhalten und das Erbe zukünftiger Generationen gestalten.

Die Prinzipien des Öko-Landbaus dienen dazu, die ökologische Bewegung in ihrer ganzen Vielfalt zu inspirieren. Sie leiten die Entwicklung von Positionen, Programmen und Standards der IFOAM, und sie veranschaulichen die Vision ihrer weltweiten Umsetzung.

Ökologische Landwirtschaft basiert auf dem

Prinzip der Gesundheit
Prinzip der Ökologie
Prinzip der Gerechtigkeit
Prinzip der Fürsorge

Jedes Prinzip wird durch eine Aussage verdeutlicht, gefolgt von einer Erklärung. Die Prinzipien sollen in ihrer Gesamtheit verstanden werden. Er besteht keine Hierachie zwischen den Prinzipien. Sie sind als ethische Prinzipien gefasst, um zum Handeln zu inspirieren.

Das Prinzip der Gesundheit

Ökologische Landwirtschaft soll die Gesundheit von Böden, Pflanzen, Tieren, Menschen und des ganzen Planeten als untrennbare Einheit aufrecht erhalten und verbessern.

Dieses Prinzip verweist darauf, dass die Gesundheit von Personen und Gemeinschaften nicht getrennt von der Gesundheit der Ökosysteme betrachtet werden kann - gesunde Böden produzieren gesunde Ernten, die die Gesundheit von Tieren und Menschen fördern. Gesundheit ist die Ganzheit und Integrität von lebenden Systemen.

Sie ist nicht einfach die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Erhaltung des physischen, geistigen, sozialen und ökologischen Wohles. Immunität, Widerstandsfähigkeit und Regeneration sind Schlüsselmerkmale von Gesundheit.

Die Aufgabe der ökologischen Landwirtschaft, ob in der Erzeugung, bei der Verarbeitung, dem Vertrieb oder dem Verbrauch, ist es, die Gesundheit von Ökosystemen und Organismen von den Kleinsten im Boden bis zum Menschen aufrecht zu erhalten und zu verbessern. Genauer gesagt soll die ökologische Landwirtschaft qualitativ hochwertige, nahrhafte Nahrungsmittel produzieren, die zur Gesundheitsvorsorge und zum Wohlbefinden beitragen.
In Anbetracht dessen sollte der Einsatz von Düngern, Pestiziden, Tiermedikamenten und Nahrungsmittelzusätzen vermieden werden, da diese ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.


Prinzip der Ökologie

Ökologische Landwirtschaft soll auf lebendigen ökologischen Systemen und Zyklen basieren, mit ihnen arbeiten, ihnen nacheifern und helfen, sie aufrecht zu erhalten.

Dieses Prinzip sieht die ökologische Landwirtschaft innerhalb der lebenden ökologischen Systeme verwurzelt. Produktionen sollen auf ökologischen Prozessen und Wiederverwertung basieren. Nährwert und Wohlbefinden werden durch die Ökologie der spezifischen Produktionsumgebungen erreicht. Bei Ernten ist dies zum Beispiel der lebende Boden; bei Tieren das Ökosystem des Bauerhofes; bei Fisch und Meeresorganismen die aquatische Umwelt.

Ökologische Landwirtschaft, Nutztierhaltung und  Systeme der Wild-Sammlung sollen sich den Zyklen und dem ökologischen Gleichgewicht der Natur anpassen. Diese Zyklen sind universell, aber ihre Funktionsweise ist standortspezifisch. Das ökologische Management muss an lokale Bedingungen, Ökosysteme, Kultur und weitere Rahmenbedingungen angepasst werden. Durch Wiederverwendung, Wiederverwertung und effektives Material- und Energiemanagement sollen Auswirkungen auf die Umwelt verringert werden, um ihre Beschaffenheit zu bewahren und zu verbessern und Ressourcen zu schonen.

Ökologische Landwirtschaft soll durch Gestaltung der Nutztierhaltung, Einrichtung von Lebensräumen und Erhaltung der genetischen und landwirtschaftlichen Vielfalt ein ökologisches Gleichgewicht erreichen. Diejenigen, die ökologische Produkte produzieren, verarbeiten, damit handeln oder sie konsumieren, sollen die gemeinsame Umwelt, einschließlich der Landschaften, des Klimas, der Lebensräume, der biologischen Vielfalt, der Luft und des Wassers schützen und zu ihrem Vorteil nutzen.


Prinzip der Gerechtigkeit

Ökologische Landwirtschaft soll auf Beziehungen aufgebaut sein, die Gerechtigkeit sicherstellen, unter Berücksichtigung gemeinsamer Umweltbedingungen und Lebenschancen.

Gerechtigkeit wird charakterisiert durch Gleichheit, Achtung, Rechtmäßigkeit und Verantwortlichkeit gegenüber einer von allen geteilten Welt, sowohl unter den Menschen als auch in deren Beziehungen zu anderen Lebewesen.

Dieses Prinzip hebt hervor, dass jene, die mit ökologischer Landwirtschaft zu tun haben, menschliche Beziehungen so führen, dass Gerechtigkeit auf allen Ebenen und gegenüber allen Parteien - Landwirten, Arbeitern, Herstellern, Vertreibern, Händlern und Verbrauchern – sichergestellt wird. Ökologische Landwirtschaft soll jedem Beteiligten eine gute Lebensqualität bieten, zur Ernährungssouveränität sowie zur Verminderung von Armut beitragen. Ziel dieses Grundsatzes ist es, eine ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und anderen Produkten herzustellen.

Dieses Prinzip besteht darauf, dass Tieren die Bedingungen und Möglichkeiten zum Leben geboten werden, die ihrer Physiologie und ihrem natürlichen Verhalten entsprechen und zu ihrem Wohlbefinden beitragen.

Rohstoffquellen und Umweltressourcen, die für Produktion und Konsum verwendet werden, sollen auf eine Weise verwaltet werden, die gesellschaftlich und ökologisch gerecht ist. Zudem sollen sie für zukünftige Generationen erhalten werden. Gerechtigkeit erfordert Produktions-, Verteilungs- und Handelssysteme, die Offenheit und Gleichberechtigung aufeisen und ihre tatsächlichen Umwelt- und Sozialkosten berücksichtigen.



Prinzip der Fürsorge

Ökologische Landwirtschaft soll auf eine vorbeugende und verantwortungsvolle Art betrieben werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der gegenwärtigen und  zukünftigen Generationen sowie die Umwelt zu schützen.

Ökologische Landwirtschaft ist ein lebendes und dynamisches System, das auf die inneren und äußeren Anforderungen und Bedingungen reagiert. Fachleute der ökologischen Landwirtschaft können deren Leistungsfähigkeit verbessern und die Produktivität erhöhen, wodurch aber keine Gefährdung von Gesundheit und Wohlbefinden entstehen darf. Infolgedessen müssen neue Technologien entsprechend beurteilt und neue Methoden überprüft werden. In Anbetracht des noch immer unvollständigen Verständnisses von Ökosystemen und Landwirtschaft ist Vorsicht geboten.

Dieses Prinzip stellt fest, dass Vorsicht und Verantwortung die Hauptanliegen in Management, Entwicklung und der Wahl von Technologien in der ökologischen Landwirtschaft sind. Wissenschaft ist notwendig, um sicherzustellen, dass ökologische Landwirtschaft gesund, sicher und ökologisch verträglich ist. Wissenschaftliche Kenntnisse alleine genügen jedoch nicht. Praktische Erfahrung, gesammeltes Wissen sowie traditionelles und einheimisches Wissen bieten viable Lösungen an. Ökologische Landwirtschaft soll durch die Übernahme von angemessenen und die Zurückweisung von unkalkulierbaren Techniken, wie z.B. Genmanipulationen, wesentlichen Risiken vorbeugen. Alle Entscheidungen sollen durch transparente und partizipatorische Verfahren die Werte und Bedürfnisse der von diesen Entscheidungen Betroffenen mitreflektieren.

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